Dienstag, 24. April 2012

Der Kern des Problems: Fremdbestimmte Leistungs-Zeiten

Die Ursache der meisten Probleme mit ADS im Alltag.
Wie dies im Sommer 2011 zu meinem Burnout führte, und wie ich ihn hätte vermeiden können.



Ich habe heute in meiner Mittagspause einen Spaziergang im Park unternommen, zusammen mit einem Kollegen, mitdem ich auch privat gut befreundet bin.
Beim gemeinsamen Gespräch, welches ursprünglich von ganz anderen Themen handelte, kamen wir irgendwann darauf, was an meinem Gehirn aufgrund von ADS anders läuft, und welche Auswirkungen das auf mein Leben hat.
Ich schilderte ihm einen Teil meiner Vergangenheit, was mir plötzlich, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, völlig neue Erkenntnisse bezüglich meiner Probleme warf, die ich von Juni bis August 2011 in diesem Blog geschildert hatte.

Ich habe mich damals tatsächlich kaputt gearbeitet.
Meine Arbeitsweise ist heute eine völlig andere, welche aber nicht in jedem Unternehmen möglich ist.

Meine Leistungsfähigkeit unterliegt deutlich stärkeren Schwankungen als die eines Menschen ohne ADS.
In den "guten" Phasen bringe ich aber oft überdurchschnittliche Leistungen.
Wenn meine Leistungsfähigkeit, bzw. meine Konzentration soweit nachlässt, dass ich nicht mehr weiter arbeiten kann, ohne Frust zu erfahren, lege ich nun eine Pause ein. Solch eine Pause kann unter Umständen auch mal eine Stunde dauern, an wenigen Tagen sogar mehr als 2 Stunden ...
Die Zeit zähle ich nicht als Arbeitszeit und bleibe Abends entsprechend länger, um auf 8 tatsächlich geleistete Arbeitsstunden zu kommen. Zusätzlich mache ich an den guten Tagen grundsätzlich eine Überstunde, um damit die Tage abfangen zu können, an denen es weniger gut läuft.
Mein Aktueller Arbeitgeber gestattet mir diese Arbeitsweise, denn wichtig ist nur, dass ich das Wochenziel erreiche.
So bleibe ich zwar ungewöhnlich Lange im Betrieb, doch schaffe ich mir so eine angenehme Arbeitsatmosphäre, bei der mein volles Leistungpotential entwickeln kann.

Im Sommer 2011 sah das anders aus:
Aufgrund dessen dass meine Arbeit in viel kleinere Einzelprozesse aufgeteilt war, welche fast alle auch noch sehr zeitkritisch waren, war eine solche Pausenreiche Arbeitsweise nicht möglich. Es gab eine Mittagspause, aber die lag nicht immer genau dort, wo ich gerade eine Pause benötigt hätte.
Mit der Zeit ließ meine Leistung immer mehr nach. Ich bekam Angst um meinen Job. Und aus Angst um meinen Job begann ich unbewusst, mich zu noch mehr Arbeit zu zwingen, die genauso ineffektiv war.
Ich kam früh zur Arbeit, ging spät nach Hause, aber ich arbeitete die ganze Zeit durch, ohne mehr Arbeit zu schaffen.
Ich konnte nicht in das Arbeitschema wechseln, welches ich jetzt erfolgreich anwende, da ich immer wieder die zeitkritischen Prozesse vor mir sah.
Zwar hätte ich mir kleine Pausen gönnen können, aber nicht die ausgedehnten Pausen von teilweise mehreren Stunden, sie ich sie mir jetzt gönne. Denn ein Serverausfall nimmt keine Rücksicht darauf, ob der Administrator gerade eine "gute" Phase hat. Der Fehler muss binnen kurzer Zeit behoben sein, sonst muss der Arbeitgeber Vertragsstrafen gegenüber seinen Kunden zahlen.
Meine notwendigen Pausen wurden also immer wieder unterbrochen, von Dingen, die Priorität hatten. Ich arbeitete Mehr und mehr, um mein schlechtes Gewissen ob meiner Ineffektivität und meine Angst um meinen Arbeitsplatz zu unterdrücken.
Ich meldete mich freiwillig für unliebsame nächtliche Wartungsaufgaben, die kein Kollege gerne machte, um so mein Ansehen beim Arbeitgeber zu steigern, aus dem Gefühl heraus, etwas wieder gut machen zu müssen.
Ich arbeitete und arbeitete ... und arbeitete ... bis ich nicht mehr konnte, und dann war er plötzlich da: der Burnout.

Gelernt habe ich daraus, dass ich einfach ungeeignet bin für Arbeitsplätze, auf denen ich zu fremdbestimmten Zeiten Leistung zu bringen habe.
Arbeitsplätze bei denen dies nicht so sind, sind vielleicht begrenzt, aber nicht unmöglich zu haben.
Mir geht es jetzt viel besser.

Die Einzige Frage, die sich mir heute noch stellt ist:
Warum habe ich das nicht früher gemerkt?
Ich hätte mir früher eingestehen müssen, dass dieser Arbeitsplatz als Admin in einem großen Hosting-Rechenzentrum nichts für mich ist. Die Zeitarbeitsfirma, für die ich damals arbeitete hätte mir bestimmt auch einen anderen Einsatzort gesucht, denn mein Burnout hat für die Firma sicher einen größeren Schaden bedeutet, als die Suche nach einer anderen Stelle gekostet hätte.
Ich hätte das kommen sehen können! Aber ich war Blind.

Ich hatte doch schon in der Schule diese Probleme.
Das Schulsystem ist nicht kompatibel zu jemandem, dessen Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit in diesem Maße stärkeren Schwankungen unterlegen ist als dem "Durchschnittsschüler".
Auch dort hat man zu fremdbestimmten Zeiten Leistung zu bringen. Denn die Notenfindung basiert auf einem sehr großen Teil auf Tests, Klassenarbeiten oder Klausuren. Künstliche Stichproben an denen ein Schüler innerhalb einer festgelegten Zeit Leistung zu erbringen hat. Keinen Interessiert seine Leistungsfähigkeit 30 Minuten vor oder nach dem Termin. Und wenn man wie ich solchen Leistungsschwankungen unterlegen ist, dann fängt man sich das ein oder andere "ungenügend" ein, obwohl man in den mündlichen Leistungen "sehr gut" benotet wird.
Kein Wunder, mündliche Leistungen werden über das gesamte Schuljahr bewertet, auf Grundlage der Meldungen und der Mitarbeit im Unterricht. Der Schüler meldet sich dann, wenn er gerade eine Idee hat, also dann, wenn er gerade eine "gute" phase hat. Die qualität der Meldungen entspricht dann dem wahren leistungsstand des Schülers...

Genau dieses Bild habe ich zu Schulzeiten immer wieder bei mir selber beobachtet.
Daher hätte ich doch wissen müssen, dass ich Probleme damit habe, zu fremdbestimmten Zeitpunkten Leistung bringen zu müssen.
Ich hatte den Eintritt in das Berufsleben als Befreiung empfunden. Ich hatte keine fremdbestimmten Leistungs-Zeiten mehr. Und alles lief bestens!
Jetzt arbeite ich wieder für genau diesen Arbeitgeber, bei dem einst meine Karriere begann.
Ich hatte den Job ja lediglich unverschuldet aufgrund der Wirtschaftskriese 2008/09 verloren ... jetzt hab ich ihn zurück, und alles ist bestens!

Doch ich fürchte, die Arbeitslosigkeit, in der es mir sehr schlecht ging, hatte mir so sehr geschadet, dass ich erstmal jeden Job genommen habe, ohne darauf zu achten, ob er mir liegt.
Nur warum habe ich dann nicht rechtzeitig in diesem Job bemerkt, dass ich eine Änderung brauche?
Dies ist für mich das letzte Rätzel zum Thema, wie es zu meinem Burnout kommen konnte.

Mittwoch, 4. April 2012

Der „Bald hast Du es Geschafft“-Kasten

Hier ein Tip, den ich heute meiner Frau gegeben habe, die mit ihrer ADHS oft Probleme in der Ausbildung hat.
Sie steht immer vor dem Problem, dass sie nur sieht, wieviel Arbeit noch zu tun ist. Der scheinbar riesige Berg an Arbeit entmutigt sie.
In ihrem Konkreten Fall geht es darum, dass sie öffter mal Leerlaufzeiten hat, die sie damit füllen sollte, Berichte zu schreiben.
Doch ist sie mit den Berichten in Rückstand geraten und ist nun entmutigt von der Größe des angehäuften Berges noch ausstehender Berichte.

Doch wie heißt es so schön?
"Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt."
Allen, die das Problem haben, sich von der scheinbaren Menge an Arbeit entmutigen zu lassen, kann ich empfehlen, folgendes einmal auszuprobieren:



Der „Bald hast Du es Geschafft"-Kasten

Teile Deine Aufgaben in kleine Einheiten auf, die man binnen einer überschaubaren und nicht nervenden Zeit erledigen kann.
Schreibe diese Einheiten auf Karteikarten, und stecke sie in einen Karteikasten.
Wichtig: Stecke alle leeren Karteikarten, die Du hast auch in diesen Karteikasten, hinter die Aufgaben!
Nun versuch zu vergessen, wie viel Arbeit in diesem Kasten steckt.
Mach Dir lieber bewusst, dass der größte Teil der Karteikarten in dem Kasten leer ist.
Das fördert das Positive denken.
Nun mache, wenn du gerade nix zu tun hast die Aufgabe auf der ersten Karte.
Lege die Karte vor den Karteikasten und schließe den Kasten.
Arbeite sie ab.
Wenn Du unterbrochen wirst, lege die Karte auf oder unter den Kasten, und nimm sie wieder hervor, sobald Du wieder nix zu tun hast.
Wenn sie fertig ist, stelle die Karte mit der unbeschriebenen Seite nach vorn, ganz hinten in den Kasten.
So arbeitest du immer nur die „nächste" Aufgabe ab.
Ohne den Druck, wie viele Aufgaben noch vor Dir liegen.
So kannst Du dich immer nur auf den nächsten Schritt konzentrieren.
Was nützt es Dir am Fuße eines Berges zu stehen, zum Gipfel zu schauen und zu denken „da komm ich nie rauf"?
Schritt für Schritt kommst du dem Ziel näher.
Und irgendwann nach einer endlichen Menge an weniger anstrengender Arbeit (weil der Druck geringer ist) kommst Du an den Punkt, an dem Du auf einmal eine leere Karte ziehst.
Dann hast du es geschafft :-)

PS:
Wenn Du den Kasten nun umdrehst und von hinten beginnend durchblätterst, bekommst Du so positives Feedback, wie viel Du schon geschafft hast.
Wichtig ist, auszublenden, wie viel noch „fehlt".
Immer daran denken „Die meisten Karten sind eh leer, lange kann es nicht mehr dauern".

PPS:
Füge dem Kasten keine neuen Aufgaben hinzu. Das entmutigt, denn du merkst zum einen, dass die Aufgaben mehr werden, und zum anderen musst Du die Illusion des "Bald fertig" zerstören indem Du die Stelle suchst, an der die leeren Karten beginnen.
Der Kasten ist nicht für Aufgaben mit hoher Priorität geeignet, die machst Du am besten sofort.
Aufgaben mit niedriger Priorität schreibe erstmal wo anders auf.
Wenn der Kasten leer ist, gönne Dir erst eine Belohnung, und dann kannst Du einen neuen Kasten mit den bis dahin angelaufenen Aufgaben beginnen.

Montag, 26. März 2012

Ich bin wieder da

Ich bin wieder online.
Viel ist geschehen in den letzten Monaten, und vieles hat sich zum Guten
gewendet.

Daher entschuldige der geneigte Leser bitte, dass ich ein halbes Jahr
nichts mehr hier geschrieben habe.
Ich brauchte einfach eine Auszeit, in der ich ein paar Dinge in den
Griff bekommen konnte.

Ich habe mittlerweile die Arbeit, auf die sich meine bisherigen
Meldungen beriefen gekündigt.
Ich arbeite nicht mehr im Bereich Hosting. Dies war viel zu stressig für
mich.
Jetzt betätige ich mich als Softwareentwickler, in einer Firma, in der
ich wesentlich bessere Arbeitsbedingungen vorfinde:
Ich muss nicht mehr mitten in der Nacht aufstehen, um irgendwelche
Aufgaben für irgendwelche Kunden zu erledigen.
Ich Kann mir meine Arbeitszeit frei einteilen und wenn meine
Konzentration nachlässt, ist es kein Problem, wenn ich eine zweistündige
Pause einlege.
Das einzige was zählt ist das Ergebnis am Ende der Woche.
Daher habe ich mir angewöhnt, jeden Tag immer eine Überstunde zu machen.
Mit den angesammelten Überstunden kann ich es sehr gut Abfangen, wenn
ich mal einen schlechten Tag habe, an dem nichts mit Konzentration ist.
Dadurch schaffe ich mir selber ein sehr viel angenehmeres Arbeitsklima.
Ich habe nicht mehr so einen enormen Erfolgsdruck und gerate daher nicht
mehr in die Spirale, die letztes Jahr letztenendes zum Burnout geführt
hatte.

Hinzu kommt, dass ich mir feste Pausenzeiten gesetzt habe, in denen ich
nicht arbeite.
Und da diese Pause gleich endet, und ich mich nicht wieder von der
Arbeit ablenken lassen werde, müsst Ihr auf weitere Neuigkeiten noch
einen Moment warten ;-)

Bis bald.

Freitag, 26. August 2011

6 Wochen Krankgeschrieben - Eine Zusammenfassung

Ich habe nun lange nicht die Muße aufbringen können, etwas in diesem
Blog zu schreiben.
Doch in den vergangenen Wochen ist viel passiert.
Damit folgende Postings nicht völlig aus dem Zusammenhang gerissen
wirken, hier eine Zusammenfassung der Ereignisse seit meinem letzten
Posting:


Einen Tag nach meinem letzten Posting habe ich nicht mehr die Kraft
aufbringen können, zur Arbeit zu gehen.
Ich habe meine Hausärztin aufgesucht, die mich erst einmal
krankgeschrieben und an einen Psychologen verwiesen hat.

Es folgten mehrere Psychologische Gespräche und mehrere Verlängerungen
meiner Krankschreibung um jeweils 1-2 Wochen.
Erste Diagnose: "Depressive Anpassungsstörung", was soviel bedeutet, als
dass ich mich nicht mehr länger an meinen Arbeitsplatz anpassen kann.
Mit Anpassen ist in diesem Fall am ehesten zu verstehen, dass meine
aktuelle Tätigkeit nicht dem entspricht, was mir liegt, da sie zu
monoton ist. Ich muss mich Anpassen indem ich mir die Arbeit schön rede.
Dies gelingt einfach nicht mehr, was zu Frustration führt, und das
wiederrum erschwert weitere anpassungsversuche. Eine Spirale, die sich
immer weiter dreht.
Was nun hierbei Ursache und was Wirkung ist, ist schwer zu ergründen,
das kommt mir persönlich vor wie die Phillosophische Frage was zuerst da
war, das Huhn oder das Ei...
Naja, um nicht weiter abzuschweifen mache ich es kurz:
Mir wurde von zwei unabhängigen Psychologen geraten, mir ein anderes
Aufgabenfeld zu suchen.

Diese erneute Krankschreibung dauerte 6 Wochen an. Ich hätte wohl noch
länger krank geschrieben werden können, doch ich wollte Arbeiten. Da es
mir privat mittlerweile deutlich besser ging, seitdem ich ein leichtes
Antidepressiva bekam, beschloss ich, es mit der Arbeit wieder zu versuchen.

Seit Anfang August Arbeite ich nun wieder an meinem Arbeitsplatz als
Server-Admin.
Vorerst, denn glücklich werde ich hier nicht mehr, und werde daher den
Rat der Psychologen befolgen, mir eine Arbeit zu Suchen, die mehr meinen
Fähigkeiten entspricht. Ich bin wohl eher ein Mensch, der kreativ sein
muss, etwas was ich früher als Softwareentwickler immer war. In diese
Richtung werde ich wohl zurück gehen.

Da ich als Externer Mitarbeiter von einem Dienstleister an diese Firma
vermittelt wurde, habe ich meinen Sachbearbeiter gebeten, mich an eine
andere Firma mit anderen Aufgaben zu vermitteln.
Dies kann aber noch eine Weile Dauern. Solange ich von dort keine
Rückmeldung erhalte, werde ich in der Firma noch mit keinem über meine
Ausstiegspläne sprechen.

Dienstag, 21. Juni 2011

Bournout-Theorien: 2. Akt

Ich habe gerade mit einem Kollegen gesprochen.

Ich habe es eigentlich immer vermieden, mit meinen Kollegen über die
Probleme zu sprechen, die ich in diesem Blog thematisiere. Kein Kollege
weiß von der Existenz dieses Blogs. Diesem Kollegen gegenüber hatte ich
lediglich vor einigen Wochen berichtet, dass ich mich "seit kurzem"
nicht gut konzentrieren kann.
Da dies kurz vor meiner Hochzeit war, entgegnete dieser: "Mach Dir
Keine Sorgen, Du heiratest in 4 Tagen, da ist das normal, dass man mit
den Gedanken wo anders ist".

Nun, dieser Kollege erkundigte sich heute, wie weit ich mit einer
Aufgabe sei, die ich für ihn lösen müsse, da der Kunde schon ungeduldig
würde.
Ich sagte ihm, dass ich die Aufgabe an jemand Andres abgeben müsse, weil
ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe. Doch er hörte aus meiner
Stimme Besorgnis heraus und hakte nach.

So sagte ich ihm, dass die Probleme, die ich vor Wochen Ansprach, und
die er auf meine Hochzeit geschoben hatte, noch immer andauern.
Ich musste ja irgendwie begründen, warum ich ihn mit der Arbeit so
hängen lasse. In dem Moment dachte ich einfach nicht daran, dass ich das
Thema von meinen Kollegen fern halten wollte, und das dies nur meinen
Chef und mich etwas anging.

Darauf hin reagierte er besorgt und zu meiner Überraschung vor allem
sehr Verständnisvoll.
Er berichtete mir, dass sich das für ihn nach einem Burnout anhöre, er
habe selber vor nicht ganz einem Jahr einen gehabt.

Ich hatte das Thema Burnout eigentlich bereits abgeschrieben (siehe 2
Blog-Einträge zuvor).
Doch ich wollte mehr darüber hören.
Auch wenn ich keinen Burnout hätte, so hätte ich endlich mal einen
Gesprächspartner, der derartige Probleme selber einmal erlebt hatte, und
da auch wieder raus gekommen war.

Wir setzten Das Gespräch in seinem Büro unter vier Augen fort.

Ich schilderte ihm meine Probleme, dass ich arbeiten wolle, aber es
nicht könne.
Dass ich ein schlechtes Gewissen habe, zur Arbeit zu gehen und mich
bezahlen zu lassen, obwohl ich nichts leiste.
Im Grunde erzählte ich ihm fast alles, was in diesem Blog seit dem 03.
Juni 2011 zu lesen ist.

Der Kollege, der aus einer Familie von Ärzten und Psychologen kommt,
bestätigte mir, das selbe erlebt zu haben.
Bei ihm war es ein Burnout, und er legte mir nahe, mich noch einmal
explizit darauf untersuchen zu lassen.

Ich erzählte etwas über meinen Lebenslauf, meine Ausbildungen und meine
Rückschläge der Vergangenheit.
Nun verstand er auch, dass die Psychologin mir eine Angststörung
diagnostiziert hatte, als sie die selbe Vorgeschichte gehört hatte.
Er riet mir dazu, beides zu verfolgen. Eine Angststörung könne eines von
vielen Burnout-Sympthomen sein.
Da ich nun nach der Aussprache mit meinem Chef (siehe zwei Blog-einträge
zuvor) keine Anzeichen von Angst mehr verspürte, aber trotzdem nicht
mehr arbeiten konnte, hielt er einen Burnout für sehr wahrscheinlich.

Wir wollten gerade darüber sprechen, was er mir rät zu tun, und wo ich
mir am besten Hilfe holen solle, und wie ich mich der Firma gegenüber
verhalten soll ...
... doch unser Gespräch wurde leider unterbrochen. Er Hatte noch einen
Termin zu einer Besprechung und bekam nun Besuch von einem anderen Kollegen.
Wir haben das Gespräch nun vertagt.
Er meldet sich bei mir, sobald er wieder Zeit hat.
Und ich sitze nun hier, den Kopf voller Gedanken, die ich erst einmal
verarbeiten muss.
Dies hier nieder zu schreiben hilft mir ein wenig dabei.

Ich muss dieses Gespräch zu ende führen, ehe ich mir ein Urteil bilde.

Dass es sich um einen Burnout handelt, möchte ich nicht wahr haben, und
werde derartige Theorien vielleicht mit einem Arzt besprechen, aber ich
will mich ohne fachärztliche Diagnose deswegen nicht verrückt machen.
Das Thema Burnout hatte ich bereits abgeschlossen.

Freitag, 17. Juni 2011

Pure Langeweile

Vor meinem Arbeitsausfall, vermutlich bedingt durch eine Angststörung, ging das mit dem Arbeiten ganz gut.
Nun war ich 5 Wochen raus aus der Arbeit: 3 Wochen in denen ich nicht arbeiten konnte und untätig am Arbeitsplatz rumsaß, eine Woche Urlaub, weil ich glaubte, damit die Situation wieder in den Griff zu bekommen, und eine Woche Krankschreibung.
Ich hatte ein klärendes Gespräch mit meinem Chef, und bin erleichtert. Ich vernehme in mir keine Anzeichen von Angst mehr, die eine Arbeitsblockade verursachen könnte. Aber ich komm nicht mehr rein in den Arbeitsfluss. Ich empfinde meine Arbeit nun als zutiefst langweilig.

Ich kann mich nicht aufraffen, konsequent zu arbeiten.
Ich stelle mittlerweile fest, dass meine Arbeit mich zutiefst langweilt. Früher hatte ich großen Spaß an diesem Job, aber er bietet keine Abwechslung mehr.
Jeden Tag tu ich dasselbe, ohne dabei einmal kreativ zu sein. Ich behandle auftretende Fehler nach den mittlerweile einstudierten Schemas. über 90% meiner Arbeit sind mittlerweile Routine.
Heute sitze ich vor meinem PC und kann mich nicht dazu aufraffen, mit der Bearbeitung der in meinem Postfach gelandeten Standard-Probleme zu beginnen.

Eigentlich möchte ich arbeiten. Ich mag meine Firma, fühle mich wohl und werde super von den Kollegen akzeptiert. Ich möchte etwas für dieses Unternehmen schaffen. Aber für diesen Einheitsbrei fehlt mir der Antrieb.
Ich überlege, ob ich mit meinem Chef darüber reden soll, dass ich mal eine anspruchsvollere Aufgabe brauche. Doch warum sollte der mich besser behandeln als die anderen? Diesen Einheitsbrei muss jeder machen. Und einige scheinen damit sehr Glücklich zu sein, machen das so schon seit Jahren.
Irgendwie sehne ich mich nach meiner Zeit als Softwareentwickler, als ich noch kreativ Lösungen erarbeiten durfte, und nicht wie jetzt 90% aller Aufgaben durch stumpfes Abarbeiten eines Lösungsschemas erledige.
In mir kommt das Gefühl auf, dass ich in dieser Abteilung auf Dauer nicht glücklich werde. Oder bin ich schon Unglücklich? Andererseits möchte ich hier auch nicht weg. Die Arbeit ist monoton und eigentlich stinklangweilig. Aber jeden Tag hoffe ich aufs Neue auf Besserung. Und da ich hier so ein tolles Betriebsklima habe, habe ich auch sehr große Hemmungen davor, mich nach einer Alternative umzusehen.

"Irgendwann wird es schon besser werden", denke ich immer wieder. Abwechselnd mit "So kann das nicht weitergehen".
Der Job, der mir Spaß machte, solange es neues zu lernen gab, langweilt mich jetzt. Ich hab das Gefühl, die Luft ist raus.
Der beste Ansatz wäre sicher, mit meinem Chef gemeinsam eine Lösung zu suchen. Eine Lösung, bei der ich weiter für meinen Chef arbeiten kann, aber dabei interessantere Dinge tun kann. Doch ich weiß nicht, wie ich meinen Chef darauf ansprechen soll. Immerhin gibt es hier in der Abteilung nicht viel mehr zu tun, als Server aufzubauen, diese zu warten und auf die alltäglichen kleinen Fehlermeldungen zu reagieren.
Vielleicht sollte ich mich anbieten, mich bevorzugt um die gelegentlich auftretenden individuellen Probleme der Kunden zu kümmern, wegen denen die gelegentlich hier anrufen. Bisher kümmert sich da jeder ein wenig drum. Aber würd ich das zentral machen, nähme ich auch den Kollegen ihre einzige Chance auf Abwechslung im sonst recht standardisierten Arbeitsalltag.

Irgendwie frage ich mich nun: "wie denken da wohl andere drüber?" und "entwächst dieser Wunsch nach Abwechslung meiner ADS, oder ist das normal?". Ich weiß ja nicht, was in den Köpfen der "normalen" Menschen ohne ADS so vorgeht. Ich weiß, wie ich die Dinge erlebe. Ohne Abwechslung verliere ich schnell die Lust.
Man hört dann von Leuten, die Glücklich damit sind, 50 Jahre lang am Fließband zu arbeiten. Jeden Tag dieselben Handgriffe. Offenbar ist die Schwelle zur Langeweile bei jedem Menschen unterschiedlich hoch angesetzt. Bei ADS-Betroffenen tritt vermutlich früher Langeweile auf, aber das kann ich nicht mit Gewissheit sagen.
Sind dies also nun ADS-Spinnereien, dass ich mich so nach Abwechslung sehne, oder ist das normal?

Naja, ich will versuchen darüber nachzudenken. Aber nicht jetzt, jetzt muss ich arbeiten!
Leicht gesagt, beschäftigt mich die Frage doch so sehr, dass sie wieder deutlich interessanter ist, als die monotone Arbeit, die auf mich wartet ...

Dienstag, 14. Juni 2011

Es war die Angst

Heute ist mein erster Arbeitstag nach einer wohl dringend notwendig
gewordenen Auszeit.
Mir geht es besser.
Nachdem ich letzten Monat arge Probleme hatte, mich auf meine Arbeit zu
konzentrieren, hät sich das mit den Ablenkungen wieder in Grenzen.

Was hat sich in den letzten 2 Wochen getan?

Nun, nachdem ich mit der Arbeit nicht mehr klar kam, hatte ich mir
spontan ein paar Tage Urlaub genommen. Doch nach dem Urlaub konnte ich
meine Arbeit nicht mehr antreten.
Ich hatte Angstzustände.
Angst davor, Ärger zu bekommen, weil ich im vergangenen Monat so
schlechte Leistungen gebracht hatte.
Doch die Angst machte alles noch schlimmer und verhinderte, dass ich in
der Lage war, weitere Leistung zu bringen.
So analysierte es zumindest vergangene Woche die Psychologin, welche ich
nach meinem letzten Eintrag in diesem Blog aufgesucht hatte.

Rückblickend betrachtet ergibt das ganze sogar richtig Sinn.
Ich hatte vor Wochen einen schlechten Tag, an dem ich mich nicht
konzentrieren konnte. Dies war wohl ADS-bedingt.
Eigentlich kein Problem, wäre ich da nicht in einen Teufelskreis hinein
geraten:

Weil ich an dem Tag nahezu null verwertbare Arbeitsergebnisse erbracht
hatte, hatte ich am nächsten Tag mehr Arbeit zu erledigen.
Dies setzte mich unter Druck, und ich bekam Angst, die Arbeit nicht
fristgerecht lösen zu können.
Diese Angst begann mein Unterbewusstsein zu beherrschen und lenkte mich
wiederum vom Arbeiten ab.
Die Folge war, dass ich einen weiteren Tag mich nicht auf die Arbeit
konzentrieren konnte.

Dies wiederholte sich Tag für Tag, und wurde schleichend immer
schlimmer, ohne dass ich mir erklären konnte, wo das Problem lag.
Nach meinem Urlaub, als ich dann wieder zur Arbeit gehen wollte, wurde
ich mir dieser Angst erst bewusst:
Ich hatte an diesem Morgen so große Angst davor, zur Arbeit zu gehen,
dass ich weinend zusammen brach.
Meine Frau verbot mir daraufhin zur Arbeit zu fahren und schickte mich
stattdessen zum Arzt.
Es folgte eine Woche Krankschreibung und eine Überweisung zu oben
erwähnter Psychologin.

Erst im Gespräch mit ihr, und als ich mir danach noch mehr Gedanken dazu
machte, bemerkte ich, dass ich wirklich ein Angstproblem habe.

Mittlerweile geht es mir besser, weil ich (zugegeben erst nachdem meine
Frau mir etwas Druck gemacht hatte) mich mit meinem Arbeitgeber über das
Problem unterhalten habe.
Entgegen meiner Ängste brachte mir dieser Verständnis entgegen.
Einen Teil der verpassten Arbeit (vor allem einige wichtige
Buchhalterische Tätigkeiten für letzten Monat) kann ich nachholen.
Ich bekam positives Feedback, dass ich meinem Arbeitgeber wertvoller
bin, als ich das selber von mir angenommen hatte.
In Zukunft werde ich öfter mit meinem vorgesetzten Sprechen, ob ich
Probleme bei der Arbeit habe.

Merkwürdig nur, dass ich nicht gemerkt habe, wie sich dieses Problem
langsam aufgebaut hat.
Erst als ich arbeitsunfähig wurde, und in folge dessen zur Psychologin
ging, wurde es besser.
Zumindest weiß ich nun, worauf ich etwas mehr achten muss.
Ich werde, was dieses Angst-Problem angeht, zumindest nun noch
professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Mal sehen, wie es weiter geht.